Willkommen auf textsenf!
Als Einstieg in die Welt des Ungefragten wähle ich mir nunmehr einen Gedankenanstoß zu all den vielen Ratgebern und vermeintlich intellektuellen Lehrbüchern zur Suche nach dem Geheimnis, der Verheißung des Glücks und wie sie sich auch immer nennen wollen… kurzum: Denkt nach über die selbsternannten Wegweiser zum erfolgreichen Pfad durch das große “L” des Lebens!
Eine Freundin, von der ich viel halte, beschäftigt sich sehr intensiv mit derlei Literatur (es gibt schwarze Schafe, aber vieles ist immerhin noch grenzwertig als “Literatur” zu bezeichnen…) – das weckte mein Interesse, und also las ich mich auch in ein paar dieser Bücher ein.
Mein zweites (das erste war “Die Kunst des Krieges”
), welches im Titel aussagt, dass Selbstliebe die Lizenz zur Wahllosigkeit bei der Partnerwahl ist, hat mich schwer beeindruckt. Die Autorin verfügt zweifelsohne über Lebenserfahrung, Bildung und in einem Ausmaß, das abzuschätzen ich mir nicht anmaße, über einen guten Teil Weisheit. Zugegeben: Nachdem meine erste Ehe im Rückwärtigen war, suchte ich nach Antworten auf Fragen, die ich mir nie hätte stellen sollen und war empfänglich… wurde für diese Empfänglichkeit auch belohnt mit guten Gedanken und Ansätzen, die kaum einem der Leser neu sein werden, aber durch das Gedrucktsein deutlich an Gewicht gewinnen. Im Ergebnis fand ich Preis und Leistung dieses Buches (nicht eines seiner Nachfolger) absolut in Ordnung (als Preis zähle ich die Stunden, es zu lesen).
Es folgten ein paar Irrwege in die klassische Philosophie und aktuelle Psychologie, aber da klingt alles so hoffnunglos, weil es auf nüchterner und realistischer Betrachtung menschlicher Schwächen oder schlimmer noch: auf empirischen Studien basiert. Pfui! Unsere fiktionale Welt verträgt keine Wahrheiten!! Also: Schnell wieder zurück zu den Glückversprecher-Büchern… Die meisten konnte ich nicht zuende lesen, einige wenige sprachen mich an; auch, weil die Autoren / Übersetzer ein Faible für die deutsche Sprache hatten…
Aber: Dies Forum hier würde nicht textsenf heißen, würde ich nicht meinen Senf dazu geben
– Folgende Thesen stelle ich zur Diskussion:
- Was schön geschrieben (in einer Bildungssprache) ist, klingt gleich ein wenig mehr nach Wissen, denn nach Behauptung.
- Viele Autoren sind sich einig: “Suche in Dir selbst”, “Suche Dich selbst”, mancher ist sogar so dreist zu fordern “Finde Dich selbst!”. Eine praktische Anleitung wie man in diesen düsteren Kammern Licht machen kann, gibt aber keiner so recht.
Dennoch ist das im Übrigen auch mein Ansatz: Euch passiert wenig Gutes und wenig Schlechtes, ohne dass Ihr dafür bewusst (ein Bruchteil) oder unbewusst (der Rest) selbst durch Taten oder Worte (in dieser Reihenfolge, bitte) verantwortlich seid. Das Universum an sich gehorcht Euch im Wesentlichen – bei Positivem, wie auch bei der Umsetzung Eurer Ängste in albtraumhafte Realitäten… - Alle Autoren, die so mystisch über den äußeren Einfluß schreiben, kommen mit sich selbst nicht wirklich klar und schieben den schwarzen Peter den Sternen, flatternden Schmetterlingen oder Kornkreisen (ein Glas Bier in der Mitte, 12 Korn kreisförmig darum angeordnet) zu.
- Das verdammte Problem mit diesen Glücksratgebern ist, dass wir zwar in weit weniger als 6-komma-irgendwas-Milliarden Schubladen passen, aber doch jeder irgendwie ein Individuum ist (Wer hat da eben “ich nicht!” gerufen?!) – das kann so nicht gehen. Zumal viele der Autoren, forscht man mit dem mächtigen Propheten des Internets danach, letzenendes trotz aller weisen Worte selbst auch scheitern (darüber schreibt nur niemand ein Buch, und so bleibt es geheim).
Ich kann Euch jedenfalls sagen, wie man glücklich durchs Leben geht:
- Erkennt, wer oder was Ihr seid
- Liebt, was Ihr seid
- Teilt, was Ihr seid ungelogen mit anderen
- Überwindet alle Ängste
Mehr ist es nicht… Wie man das macht? Keine Ahnung! Ich weiß noch nicht einmal für mich selbst, wie ich das alles hinbekommen soll – wie soll ich Euch da ernsthaft Rat geben!?
Nunja: Es gibt gute Beispiele und universal anwendbare Ansätze… Aber wieso sollte ich sowas Schönes in einen überladenen Universalratgeber packen, den alle lesen, verstehen… und dann gehen 99,99 % der Leser los und ändern wegen 1-4 (siehe oben) genau NICHTS!
Da stehe ich doch lieber hier (ok, ich sitze, Ihr Klugscheißer!) und weise mit meinen schriftlich fixierten Gedanken auf das Ein oder Andere hin. Und wer weiß: Vielleicht habe ich manchmal das Glück der Dummen und treffe mit einzelnen Sätzen die 0,01 %?
In diesem Sinne schließe ich meinen ersten Blog-Eintrag (und gebe diesen natürlich zur Diskussion frei!) mit den völlig wertlosen Worten eines verstorbenen Dichters zum erfolgreichen Pfad durchs Leben:
Sprich, was du denkst, nicht vorschnell aus.
Hast du’s gesagt, dann handle auch danach.
Sei offen, aber öffne dich nicht jedem.
Und findest du ‘nen Freund, der ehrlich ist,
Dann pflege diese Freundschaft, aber schließ
Nicht Freundschaft gleich mit jedem Saufkumpan.
Schau, dass du nicht in Schlägereien kommst,
Doch bist du drin, dann teile kräftig aus.
Dein Ohr leih jedem, aber halt den Mund.
Nimm jeden Rat, doch rate Andren nicht.
Leih nichts von niemand und verleih auch nichts,
Verliert man das Verlieh’ne oft samt Freund,
Und Leih’n ist aller Wirtschaftskrisen Anfang.
Und last not least: Sohn, bleib dir selber treu,
Dann kannst du auch nicht falsch zu Andren sein.
(Polonius zu Laertes im Hamlet vom guten alten Shakespeare vor gut 400 Jahren…)
Haut rein!

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